Globaler IPAF-Sicherheitsbericht analysiert zehn Jahre an Ereignisdaten

GSR 2022 DE

Stürze von der Plattform, Stromschläge und das Umkippen von Arbeitsbühnen sind die häufigsten Vorfälle, die in den letzten zehn Jahren zu schweren Verletzungen und Todesfällen geführt haben. Dies geht aus dem jüngsten globalen Sicherheitsbericht hervor, der von der International Powered Access Federation (IPAF) auf der Grundlage einer Analyse anonymisierter und über das IPAF Portal für Unfallmeldungen gesammelten Daten erstellt wurde.

Der globale IPAF-Sicherheitsbericht 2022, der am 30. Juni im Rahmen eines Webinars vorgestellt wurde, analysiert die neuesten, über das IPAF-Portal (www.ipafaccidentreporting.org) gesammelten Daten für den Zeitraum 2012 bis 2021. Dabei werden die Trends von Jahr zu Jahr und Dreijahrestrends verglichen, um zu ermitteln, wie gut die Branche bei der Bekämpfung der wichtigsten Unfallursachen im Zusammenhang mit Höhenzugangstechnik abschneidet.

In dem diesjährigen Bericht kann IPAF auf die Daten von zehn Jahren zurückblicken, da der Verband 2012 mit der Erfassung von Unfallberichten begann. Die Daten für den gesamten Zeitraum 2012 bis 2021 ergeben 4.374 Meldungen, darunter 4.462 Unfälle mit Ausfallzeiten und 585 Todesfälle. Während des Zehnjahreszeitraums wurden Berichte aus 41 Ländern gesammelt.

Bei den Unfällen, die zu einem oder mehreren Todesfällen führten, waren in den zehn Jahren, für die Daten vorliegen, drei Ursachen am häufigsten: Stürze von der Plattform, Stromschläge und das Umkippen von Arbeitsbühnen. Darauf folgen Vorfälle mit Quetschungen an vierter und mechanische/technische Probleme mit Funktionsausfall der Hubarbeitsbühne an fünfter Stelle. Zusammenstöße mit Fahrzeugen oder Geräten folgen an sechster und ein Aufprall durch herabfallende Gegenstände an siebter Stelle.

Allein im Jahr 2021 gab es 603 Meldungen aus 28 Ländern mit 628 beteiligten Personen, die 109 Todesopfer forderten. Dies ist ein leichter Rückgang gegenüber der Zahl der Todesopfer im Jahr 2020 mit 126. Das Land, das im Jahr 2021 die meisten Berichte einreichte, war das Vereinigte Königreich, 60,8% der Meldungen kamen aus Großbritannien Die USA reichten 18,7 % der Berichte ein und Südkorea 4,9 % - ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren.

Die Branche, aus dem die meisten Unfälle gemeldet wurden, war die Arbeitsbühnenvermietungsbranche mit 43 %, gefolgt vom Baugewerbe mit 29 % der Unfälle. Auf das Gebäudemanagement entfiel knapp ein Zehntel aller Berichte (9,8 %).

Brian Parker, IPAFs Head of Safety & Technical, kommentiert: „Es ist ein richtiger Meilenstein, dass die IPAF-Unfallberichterstattung bereits seit zehn Jahren existiert. Derzeit erhalten wir jährlich etwa 600 Berichte aus mehr als 40 Ländern weltweit - ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den Anfängen.

„Dieser Bericht ist der erste, der einen Rückblick und eine Analyse der Daten über den gesamten Zehnjahreszeitraum ermöglicht und einige wichtige Trends aufzeigt. Neben dem Schwerpunkt von Stürzen von Plattformen, die in diesem Zeitraum die häufigste Ursache für schwere Verletzungen und Todesfälle waren, haben wir den Bericht auch genutzt, um einige der spezifischen Trends bei der Durchführung von Vermietungsaktivitäten hervorzuheben. Anlieferung, Abholung, Be- und Entladen von Arbeitsbühnen, Manöver in Depots, Vorführungen vor Ort, Reinigung und Wartung von Maschinen.

„In Anbetracht der Daten ist die Reduzierung von Stürzen von der Plattform die wichtigste Priorität der IPAF-Initiative ‘Fallen Sie nicht!‘. Wir hoffen, dass dies einen messbaren Einfluss auf eine Abnahme dieser Unfälle in unserer Branche haben wird. Außerdem hoffen wir, dass wir durch das Aufzeigen von Risiken und Vorfällen im Zusammenhang mit der Vermietungstätigkeit dazu beitragen können, diese Tätigkeiten sicherer zu machen.  Wir hoffen auch unseren Mitgliedern in der Vermietungsbranche, die die IPAF-Unfallberichterstattung vom ersten Tag an begeistert unterstützt haben, etwas zurückgeben  zu können."

Betrachtet man die Daten für das Jahr 2021 nach Gerätekategorien, so zeigt sich, dass mobilen Auslegerbühnen (3b) mit 29 % der Meldungen am häufigsten in Unfälle verwickelt waren. Danach folgten die mobil vertikalen Geräte (3a) mit knapp einem Viertel der Meldungen (23,7 %), gefolgt von den statisch Boom-Auslegerarbeitsbühnen (1b) mit 21,5 %.

Peter Douglas, CEO und MD von IPAF, sagt dazu: „Wir nutzen diese detaillierte Datenbank als Grundlage für unsere gesamte Arbeit bei IPAF - einschließlich der Aktualisierung unserer weltweit anerkannten Schulungen und als Basis für unsere weltweiten Sicherheitskampagnen, wie beispielsweise die aktuelle Kampagne Fallen Sie nicht! zur Vermeidung von Stürzen von der Plattform.

„Dieser Bericht zeigt, dass wir uns als Branche stets selbst hinterfragen müssen: Können wir nicht mehr tun, um diese Zahlen zu verringern? Wir hoffen, dass die Betreiber von Arbeitsbühnen auf der ganzen Welt diesen Bericht lesen, um die wichtigsten Trends zu verstehen und ihre eigenen Sicherheitsprogramme auf den Prüfstand stellen. Durch Zusammenarbeit kann die Branche weiterhin Lösungen für die in dem Bericht genannten, dringendsten Sicherheitsfragen entwickeln.

„Ich möchte all jenen danken, die zu diesem Bericht beigetragen haben: dem internationalen IPAF-Sicherheitsausschuss, unserem engagierten IPAF-Team, einschließlich unserer Länder- und Regionalvertretungen und natürlich all denjenigen, die regelmäßig im IPAF-Portal berichten. Jeder sollte sich diesen Bericht herunterladen und lesen, sich mit den Trends  befassen und die eigenen Sicherheitsmaßnahmen mit den Empfehlungen des Berichts abgleichen.

„Wir benötigen mehr Berichte aus allen Bereichen unserer Branche und aus möglichst vielen Ländern, dies ist auch über die ePAL app möglich, die eine schnelle und einfache Unfallmeldung vor Ort ermöglicht. Wir hoffen, dass dies den Bediener die Möglichkeit gibt, alle Unfälle zu melden, auch kleinere und Beinahe-Unfälle, die häufig unter den Tisch fallen.

Mark Keily, QHSE Director bei Sunbelt Rentals und Vorsitzender von IPAF’s Internationalem Sicherheitsausschuss (ISC), der bei der Überprüfung und Analyse der anonymisierten Berichte über Unfälle und bei der jährlichen Erstellung des globalen Sicherheitsberichts hilft, fügt hinzu: „Auch wenn die steigenden Zahlen auf eine bessere Berichterstattung zurückzuführen sind, ist es doch besorgniserregend, dass sich die Hauptursachen für schwere Verletzungen und Todesfälle bei der Verwendung von Höhenzugangstechnik in den letzten zehn Jahren nicht wirklich verändert haben. Neben der Überprüfung und Analyse von Daten verpflichtet sich der ISC, die IPAF-Sicherheitsrichtlinien und technischen Richtlinien regelmäßig zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie auf dem neuesten Stand sind und die neuesten Trends widerspiegeln, beginnend mit dem IPAF H1-Leitfaden: Personenabsturzsicherung für Mobile Hubarbeitsbühnen.

„Der globale IPAF-Sicherheitsbericht wird niemals Antworten auf alle Fragen haben, die unsere Branche benötigt, aber er zeigt deutlich die wichtigsten Problembereiche auf, die es den Branchenbeteiligten ermöglichen sollten, ihre eigenen Arbeitspraktiken zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie über angemessene Kontrollmaßnahmen verfügen.”

● Um Ihr kostenloses Exemplar des globalen IPAF-Sicherheitsberichts 2022 anzusehen und herunterzuladen, besuchen Sie bitte www.ipaf.org/accident. Eine Aufzeichnung des Webinars ist jetzt auf IPAFs YouTube-Kanal für alle verfügbar, die nicht an der Live-Übertragung teilnehmen konnten. Alle kommenden IPAF-Veranstaltungen und Präsentationen finden Sie unter www.ipaf.org/events Frühere IPAF-Berichte, Webinare und unterstützende Materialien können unter www.ipaf.org/resources eingesehen werden.

 

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