Europlatform: Technologie wird den Menschen unterstützen, nicht ersetzen

Olivier Colleau, CEO of France-based rental company Kiloutou speaking at Europlatform 2019 conference in Nice, France

Redner auf der von der International Powered Access Federation veranstalteten Europlatform 2019 sprachen sich dafür aus, dass technologische Neuerungen in der Höhenzugangsbranche Sicherheit und Effizienz menschlichen Arbeitens verbessern werden, anstatt den Menschen komplett zu ersetzen.

Andy Studdert, Interims-CEO und Geschäftsführer von IPAF, eröffnete die Konferenz, die in diesem Jahr im Le Negresco Hotel in Nizza stattfand, und erinnerte die rund 120 Teilnehmer sogleich daran, dass der Mensch immer zuerst kommt. „In 18 Monaten werden 75 % aller Unternehmen auf die eine oder andere Weise künstliche Intelligenz einsetzen, um ihre Geschäftsprozesse zu verbessern“, sagte er voraus. „Was wir aber in den kommenden Jahren neben dem immer stärkeren Einsatz von Technologie nicht vergessen dürfen sind die Menschen in unserem Unternehmen. Kümmern Sie sich in erster Linie um Ihre Mitarbeiter – dann werden neue Technologien schneller angenommen.“

Dieser Gedanke wurde auch von Olivier Colleau, CEO des französischen Mietunternehmens Kiloutou, aufgegriffen: „Wie sich Technologie auf den Verleih von mobilen Hubarbeitsbühnen auswirken wird? Nun, das sehen wir jetzt schon! Wir können unsere Maschinen tracken, wissen, ob sie eingeschaltet sind, und können in Zukunft sogar ihre Benutzung robotisieren und automatisieren.“

„Ich bin aber fest überzeugt, dass sich die Technologie in eine Richtung entwickeln wird, die der Unterstützung unserer Mitarbeiter und Kunden dient. Technologie und Mensch gehen in unserer Branche Hand in Hand. Bei Kiloutou nutzen wir Technologie zum Schutz unserer Mitarbeiter – alle unsere Maschinen besitzen Warnsysteme, die vor Überlastung und zu starker Neigung schützen. Außerdem bietet Technologie einen Mehrwert bei der Wartung unserer Ausrüstung und im Kundenservice vor Ort. Der Kunde kann sich mit dem Smartphone an unsere technische Hotline wenden oder Probleme über die App melden“, berichtete er.

„Wir nutzen BIM-Modelle aller unserer Maschinen, damit unsere Mitarbeiter besser planen können. Aber ohne menschliches Zutun können unsere Maschinen nicht arbeiten. Technologie wird unseren Geschäftsauftritt verändern, neue Servicemöglichkeiten für den Kunden eröffnen, Mitarbeiter in ihrer Arbeit unterstützen und Mehrwerte für uns schaffen. Dieser Prozess benötigt Zeit und Experimentierfreude, aber durch Zusammenarbeit und Datenaustausch können wir alle von den Vorzügen profitieren.“

Clotilde Jouette, Director of Marketing & Digital Business Transformation bei Avesco Rent, trat als nächste Rednerin vor die Teilnehmer und nannte die größere Menge an Informationen für Entscheidungsträger in der Geschäftswelt als den entscheidenden Vorteil der Digitalisierung. „Aktuell sehen wir einen Trend hin zu mehr Sozial- und Umweltbewusstsein in unseren Unternehmen und Geschäftstätigkeiten. Mittlerweile ist es bewiesen, dass das Mieten von Ausrüstung besser ist als der Kauf“, so Clotilde Jouette.

„Ich stimme voll und ganz mit meinen Vorrednern darin überein, dass unsere Belegschaft unser wichtigster Vermögenswert ist, darum bringen wir unseren Mitarbeitern so viel Wertschätzung entgegen und bilden sie sorgfältig aus. Technologie bringt einen Mehrwert, aber wo setzen wir damit an? Sie kann ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal sein, aber auch einen Paradigmenwechsel erfordern. Und sie verändert das ganze Wesen unserer Kundenbeziehungen. Mit künstlicher Intelligenz können wir mehrere Systeme kombinieren, um die Datensammlung und -analyse zu automatisieren.“

Valery Klimenko, Regional Managing Director bei Fortrent und Vorsitzender der National Rental Association in Russland, präsentierte anschließend einen faszinierenden und detaillierten Einblick in den russischen Markt für MEWP-Verleih, der seit den 1990er-Jahren stetiges Wachstum verzeichnen konnte und auch aktuell von vielen Entwicklungen, insbesondere im Osten und Norden des Landes, geprägt wird.

Er erklärte, warum die Marktdurchdringung im Land verglichen mit dem Rest Europas nach wie vor gering ist, zeigte sich aber auch optimistisch, dass es trotz einiger Hürden in Form von Importzöllen auf in den USA hergestellten Maschinen „gute Entwicklungsmöglichkeiten für den Markt“ gibt. „Die Zölle beeinträchtigen natürlich den Endnutzer, wenn die benötigten Maschinen nicht verfügbar sind.“

Das Wachstum im Rest Europas sei zwar vergleichsweise stabil, werde aber auch durch globale Handelsstreitigkeiten und die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit eingeschränkt, so Audrey Courant von DuckerFrontier, dem Marktforschungsunternehmen, das den jährlichen Global Powered Access Rental Market Report für IPAF zusammenstellt.

Sie zeigte Möglichkeiten auf, wie die europäische MEWP-Verleihbranche trotz dieser Widrigkeiten florieren und ihr Wachstumspotenzial maximieren kann: durch die Erschließung der Kreislaufwirtschaft, die Öffnung gegenüber der Digitalisierung und dem Wandel von einem Geschäftsmodell der Produktbereitstellung hin zu einem Komplettanbieter für Sicherheitslösungen. Damit griff sie auch die Idee von Clotilde Jouette auf, das Wesen der Kundenbeziehungen von Grund auf zu verändern, um die Nachfrage besser analysieren und umfassenden Support anbieten zu können.

Jim Colvin, CEO von Serious Labs, sprach über die Zusammenarbeit seines Unternehmens mit IPAF und anderen Beteiligten in der Umsetzung von MEWP-Bedienerschulungen, Einweisungen und Kompetenztests in Virtual-Reality-Umgebungen: „Der Kunde möchte, dass wir seine Probleme lösen. Technologie kann diese Umsetzung unterstützen und natürlich sind die Daten, die dabei entstehen, unglaublich wertvoll. Wenn wir erst einmal die richtigen Fragen stellen, können wir auf Basis dieser Daten vorausschauende Entscheidungen treffen, anstatt nur zu reagieren.“

Am Nachmittag sprach Angus Kennard, CEO des australischen Unternehmens Kennards Hire, darüber, wie Verleihfirmen mithilfe von Telematik ein neues „Ökosystem“ schaffen können, um auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Während das Unternehmen seit Anfang der 1990er-Jahre starkes Wachstum verzeichnen konnte, sei man bei Kennard Hire in erster Linie auf exzellenten Kundenservice fokussiert, um zur „besten Verleihfirma der Welt“ zu werden.

Er ordnete die MEWP-Telematik als Teil des globalen, vernetzten Internet der Dinge (IoT) ein und erklärte, wie deren Einsatz aus geschäftlicher Sicht gefördert werden kann. Eine größere Kapazitätsauslastung sei natürlich ein klarer Vorteil, aber wie einige Vorredner wies auch er darauf hin, dass auf dem Markt viele verschiedene Systeme und Telematik-Produkte existieren, die sich in Alter und technischem Anspruch unterscheiden, sodass sich auch hier die Frage stellt: „Wo fängt man an?“

Seine Firma lege den Fokus daher auf die Ansprüche des Kunden an die Telematik viel mehr als auf das Wissen um die Fähigkeiten der Maschinen. Kunden mit großen, komplexen und funktionsübergreifenden Aufträgen benötigen klare Metriken, um das gesamte Einsatzgebiet und alle Maschinen und Aufgaben abdecken zu können, was Kennards Hire dazu veranlasste, eine eigene IoT-Plattform namens EasyTRAK zu entwickeln.

Die erfolgreiche Umsetzung dieses Systems ermöglichte es dem Unternehmen, den Kundenbedarf besser zu erfüllen, Prognosen zu erstellen, welche Maschinen wo und wann benötigt werden, und proaktiv Entscheidungen bei der Investition in neue Maschinen zu treffen.

Die Podiumsdiskussion am Nachmittag, an der ausgewählte Redner der Konferenz teilnahmen, beschäftigte sich mit Fragen rund um die Verbesserung des Kundenservices durch Anwendung digitaler Technologie ohne dabei „den menschlichen Faktor außer Acht zu lassen“, wie es Andy Studdert formulierte, der durch die Diskussion führte.

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass jede Form neuer Technologie ausschließlich dazu eingesetzt werden sollte, die Effektivität menschlichen Arbeitens zu verbessern und so mehr Konzentration auf das Wesentliche zu ermöglichen. Angus Kennard und Clotilde Jouette stimmen darin überein, dass eine intelligente Datennutzung dazu dienen sollte, die Interaktionsmöglichkeiten für den Kunden zu erweitern und somit verschiedene Generationen von Endnutzern mit unterschiedlichen Kommunikationsgewohnheiten anzusprechen.

Das Internet der Dinge, die Digitalisierung und der intelligente Einsatz von Big Data, so war sich das Podium einig, präsentierten zwar riesige Möglichkeiten, aber auch nicht zu leugnende Herausforderungen. Bei wichtigen Themen, nicht zuletzt der Gesetzeslage und Best Practice zu Dateneigentum und -weitergabe, hinke die Branche noch hinterher.

Ivan Papell, CEO & Eigentümer von Liftisa und MovingRent, sprach anschließend über Weiterentwicklungsmöglichkeiten in der Verleihbranche durch Gründung, Aufbau und Verkauf von Firmen – und ständigen Neuanfang. Rentabilität sollte dabei nie das Ziel sein, sagte er, vielmehr sollten andere Zielsetzungen zur Gründung eines Unternehmens motivieren. Er appellierte außerdem an die Branche als Ganzes, wie wichtig es sei, hohe Sicherheitsstandards zu schaffen, und schloss sich seinen Vorrednern in der Empfehlung an, einen Mehrwert für den Kunden zu schaffen.

Zum Abschluss der Konferenz präsentierte Andrew Delahunt, Director of Technical & Safety bei IPAF, einen Ausblick auf den kommenden IPAF Safety Report. Er basiert auf der Analyse von Daten, die im Rahmen des IPAF-Unfallmeldeprojekts gesammelt wurden. Sämtliche hierbei von IPAF gesammelten Daten sind anonym und vertraulich, alle identifizierbaren Informationen wurden gelöscht. Die Analyse zeigt, dass Unfälle beim Einsatz von Höhenzugangstechnik relativ selten sind, wenn man bedenkt, dass rund 1,5 Millionen MEWPs in Mietflotten weltweit genutzt werden.

Anhand von Unfallbeispielen aus Frankreich, den Niederlanden, Argentinien und den USA wurde gezeigt, wie sich häufig auftretende Unfallursachen vermeiden lassen. Erfreulich ist, dass sich immer mehr Länder an der Meldung beteiligen. Die so gesammelten Daten lassen sich zur Aufklärung in der gesamten Branche mithilfe der Sicherheitskampagnen und technischen Anleitungen von IPAF nutzen. Um noch mehr Firmen weltweit zur Meldung von Unfällen und Beinahe-Unfällen anzuregen, wird das globale Meldeportal von IPAF bis Ende 2019 für Web- und Mobilanwendungen optimiert.

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